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Religiöse Freiheit in einer säkularen Gesellschaft

Guten Abend Nemo;

dieser Brief ist anders als die vorherigen, denn ich habe ihn nicht vorher durchdacht. Außerdem habe ich mich heute nicht über das Thema aufgeregt. Ich bin ruhiger als üblich, aber auch müder und weniger leidenschaftlich. Dennoch wird es Zeit, dass ich über ein für mich wichtiges Thema schreibe: religiöse Freiheit.

Zuerst möchte ich betonen, dass wir in einer säkularen Gesellschaft leben. Politik, Schul- bzw. Bildungs- und Rechtswesen sind von der (genauer von jeder) Religion getrennt. Keine religiöse Gruppe oder Ideologie darf auf ein staatliches System Einfluss nehmen. Soweit jedenfalls die Theorie.

Jeder in unserem schönen Land (Deutschland, nur um das klar zu stellen), kann eine Religion seiner Wahl ausüben. Christen, Juden, Muslime, Jedi, Hindus, Buddhisten, Pastafari, Atheisten ("Es gibt auf keinen Falle eine höhere Macht"; ja, für mich sind Atheisten eine religiöse Gruppe) und Agnostiker ("Ich weiß es nicht und glaube an nichts bestimmtes" sind gleich.

Jeder darf Symbole seiner Religion oder seines Fandom (der beste Begriff für was ich meine. Im Fall von Unverständnis bitte nachschlagen) tragen, ohne dafür belangt zu werden.

Ausnahmen für beides sind demokratiefeindliche oder verfassungswidrige Symbole, Ansichten usw. Der kleine Linksextreme in mir sträubt sich dagegen das einfach so hin zu nehmen und zu verteidigen, doch die Grundidee ist nicht schlecht. Allerdings ist die Möglichkeit zum Missbrauch und zum Unterdrücken legitimer Minderheitspositionen zu groß. Doch darüber rede ich heute nicht. Heute bin ich staatstreu. Heute akzeptiere ich alle Gesetze und Regeln und bin bereit sie zu verteidigen, bis sich der Rechtsstaat selbst verbesserte, sich seiner Fehler entledigte und seine Ungerechtigkeiten ausräumte. Doch dieser Wandel muss von innen kommen; Gewalt von außen, Gewalt gegen das System, ist nicht der Weg zum Wandel. (Nicht zuletzt, da es Gewalt gegen das System nicht gibt. Es sind immer Menschen, die das Opfer von Gewalt werden. Und kein Mensch repräsentiert ein System!)

Doch Handeln hat Konsequenzen. Jedes Handeln. Diese Position vertrete ich. Unabhängig von den Konsequenzen, die diese Haltung für mich hat.

Ein Beispiel: Wenn ich einen brennenden brennenden Totenkopf auf meinem Shirt trage, werde ich anders wahrgenommen als mit einem Baum und Vögeln als Motiv (wobei ich nicht urteilen möchte, welcher der Möglichkeiten modischer ist...). Anderes Beispiel: Ein Kreuz um den Hals ist ein Zeichen, sich zum Christentum, seinen Werten und Idealen zu bekennen. Ein Kopftuch oder die Kippa sind vergleichbare Symbole anderer Religionen.

Wenn ich weiß, dass in einem Stadtviertel fast alle Metal hören, wäre es eine Provokation auf der Straße laut Rapmusik zu spielen (auch wenn dies vermutlich keine nennenswerten Konsequenzen hätte). Wenn ich weiß, dass sich in einem Park viele Anhänger von S. Freuds Theorien aufhalten, wäre es eine Provokation, diese Theorien laut als Hirngespinste eines Heroinabhängigen zu bezeichnen.

Meine Beispiele bind akustische Provokationen und symbolische Kleidung. Jetzt zu dem, was diesen Brief anstieß. Ich laß in der Zeitung einen Leserbrief, dass es unsere (nicht weiter spezifiziert) Pflicht sei, dafür zu sorgen, dass Juden in Vierteln, die für ihre rechtsextreme Szene bekannt sind, die Kippa tragen können.

In einem so geprägten Gebiet ist das tragen der Kippa eine Provokation. Wer bewusst provoziert, muss sich den Konsequenzen stellen. Ohne Zweifel ist es nötig, gegen die rechte Szene vorzugehen (wie gesagt, ich stehe recht links), doch dieses Vorgehen braucht Zeit. Jahre, wenn nicht Jahrzehnte von gezieltem polizeiliches Vorgehen gegen die kriminellen Hintermänner und Informationen, welche es den Mitläufer ermöglicht, sich aus dem rechten Sumpf zu ziehen. Doch jede Form der stumpfen, undurchdachten und primitiven Provokation, welche nur zum Ziel hat, die eigenen Rechte und Möglichkeiten, die eigene Macht zu zeigen, wird das Gegenteil bewirken. Öl in das Feuer, das die rechten Kessel beheizt. Denn nichts anderes ist es, mit einer Kippa in ein solches Viertel zu gehen. Provokation.

Ich verteidige das Recht, sich zu kleiden wie man will, denken was man will und glauben was man will. Doch dieses Recht erlaubt es nicht, ohne Konsequenzen zu provozieren. Den Konsequenzen bleiben und müssen unabhängig von den Idealen, die wir anstreben und die wir als wertvoll erachten.

Gute Nacht; bis zum nächsten mal.

20.3.15 01:00
 


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