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Diskussionen und Kompromisse

Nemo,

Mir kamen einige Gedanken zum Thema Kompromisse. Der Satz, der mir dazu in den Sinn kommt - ich bin mir nicht sicher, ob er jemals gesagt wurde oder nur in meinem Kopf entstand - ist wie ich finde recht provokant, doch ich glaube, dass viele ihn unterschreiben würden: "Ein Kompromiss ist das Ziel jeder Diskussion".

Bevor ich mich dazu äußere möchte ich auf das letzte Wort eingehen, da ich anschließend darauf aufbauen möchte und Missverständnisse vermeiden will. Eine Diskussion, eine Debatte, ein Streitgespräch, ein Zwiegespräch, ich unterscheide nicht zwischen diesen Begriffen, doch der erste ist jener, welchen ich gebrauchen möchte. Es geht um zwei Personen (oder Gruppen, doch wie bei vielem im Leben machen viele Personen die Situation für Beispiele zu kompliziert), welche zu einem Thema (oder mehreren - selbe Begründung des Ausschlusses) unterschiedliche Positionen vertreten (bzw. dies annehmen) und über dieses Thema miteinander sprechen. Weitere Einschränkungen halte ich für unnötig. Sie mögen an einander vorbei sprechen, einander nicht respektieren, die Argumente des jeweils anderen übergehen, Rhetorik anwenden, lügen oder all das nicht tun. Wichtig ist nur das sie miteinander reden. Und das sie hinter ihrer Position stehen.

Die letzte Regel ist meiner Ansicht eine der wichtigsten für fast alle Lebenssituationen. Was auch immer du tust, tu es aus Überzeugung, oder tu es nicht. "Tu es oder tu es nicht. Es gibt kein versuchen." (Yoda) Im Leben gibt es keinen Neustartknopf. Keinen zweiten Versuch. und ich breche gern jedes Handeln auf sprachliches herunter. Eine Diskussion macht nur Sinn, wenn jede Seite hinter ihrer Position steht.

Wenn dies gilt, lässt sich daraus ein Wahrheitsanspruch ableiten. Wenn ich hinter meiner Position stehe, stehe ich nicht hinter deiner; wenn ich auf meiner Seite stehe, stehe ich nicht auf deiner! (Bei Gruppen wird dies etwas aufgelöst, bzw. verkompliziert. Ich glaube nicht das es für ein Individuum möglich ist die Meinung eines anderen vollständig zu teilen. Deshalb beschreibe ich hier nur zwei Personen.) Diese Aussage steht unabhängig von Respekt gegenüber dem Gegner (dieser Begriff ist nicht aggressiv gemeint, ehr sportlich).

Wenn ich für meine Position Wahrheit beanspruche, sehe ich die Gegenposition (welche nicht zwingend ein Gegenteil in der Grundannahme darstellen muss: Detailfragen können auch sehr schön diskutiert werden) als falsch an.

Wenn ich deine Position als falsch ansehe, ist mein Ziel in der Diskussion ein einfaches: Meinen Gegner aufzuzeigen, dass er falsch liegt. Dies kann getan werden, um ihm die Möglichkeit zu geben, daraus zu lernen (sehr ehrbar), oder um über ihn zu triumphieren (nur sehr situationsbedingt ehrbar).

Ich habe also das Ziel meinen Gegner davon zu überzeugen, dass er falsch und ich richtig liege. Interessant ist dieses Spiel, da der Gegner das selbe versucht.

In vielen Regeln zu Diskussionen wird an dieser Stelle betont, dass dieses Überzeugen ohne Gewaltmittel geschehen muss. Ich nenne Beispiele: Drohungen, Lügen, lautes Sprechen bis Schreien, Einsatz der eigenen Autorität in jedem erdenklichen Sinne, Verweise auf die Vergangenheit (a la "ich hatte bisher immer Recht, du nie...". Ich sehe das anders. Nur körperliche Mittel sind sinnlos und tabu. Außerdem zeugen sie von Verzweiflung, verbaler Inkompetenz und der Schwäche der eigenen Position. Kurz: Kloppen ist schlechter Stil. Alles andere darf und kann eingesetzt werden. Wie Züge im Schachspiel können sie dem Gegner allerdings auch helfen (etwa, wenn dieser die verfolgte Strategie durchschaut).

Wir betrachten also zwei Menschen, die versuchen mit allen Mitteln, welche sie für ziemlich halten, den jeweils anderen davon zu überzeugen, dass sie (und unter den Beteiligten nur sie) die Wahrheit vertreten/dass er falsch liegt. Person A vertritt zu Beginn Position a, Person B vertritt Position b. (Etwas Symbolik muss sein). Kurz >Aa vs Bb<.

Es kann vorkommen, dass im Laufe der Diskussion einer feststellt, dass sein Gegner tatsächlich recht hat. A übernimmt also die Position b. Die Situation hat sich zu >Ab vs Bb< geändert. Damit kann die Diskussion beendet werden. [Ende 1, überzeugen] Es ist aber auch möglich, dass A weiter für die Position a argumentiert (viele Gründe sind hierfür denkbar; auch Diskussionen bei denen man nicht die eigene Position vertreten darf - etwa in der Schule - haben diese Ausgangslage). Wichtig dabei ist, dass A weiter das Ziel verfolgt B von der Wahrheit von a und der Falschheit von b zu überzeugen. Er muss hinter der Position stehen und den Wahrheitsanspruch aufrecht erhalten. gelingt dies, so entsteht die Situation >Ab vs Ba<. Die Positionen haben die Seiten gewechselt. [Ende 2, tauschen]

Im Verlauf der Diskussion kann es vorkommen, dass beide Seiten einsehen, dass ihre Position falsch ist. Etwa >A,B vs a,b<, doch da die Positionen a und b nicht mehr von einer Person vertreten werden, existieren sie nicht mehr. Jetzt ist es möglich, dass die Personen A und B gemeinsam eine Position c entwickeln, welche beide im folgenden vertreten. >Ac vs Bc< (das "vs" bleibt zur besseren Vergleichbarkeit bestehen) [Ende 3, echter Kompromiss] Problematisch hieran ist, dass ich es nicht für möglich halte, dass beide Personen eine deckungsgleiche neue Position c vertreten (oben schon erwähnt). Stattdessen danke ich, dass >Ad vs Be< entsteht, wobei d und e Variationen von c sind. Die Diskussion kann an dieser Stelle enden, wenn beide Seiten die Variation des anderen für akzeptabel halten [Ende 4, Variation des Neuen], oder sie beginnt mit leicht verändertem Thema von vorn. [Ende 5, Neubeginn]

 Alle diese Szenarien setzten voraus, dass die Diskussion zu ende geführt wird und nicht eine der Seiten das Thema ändert [Ende 6, Themenwechsel] oder die Diskussion verlässt, abbricht oder für aussichts- oder sinnlos erklärt . [Ende 7, Abbruch]

Ein geschickter Spieler wird, wenn er Ende 1 nahen sieht und Ende 2, 3, 4 und 5 als nicht erreichbar einstuft versuchen Ende 6 herbeizuführen. Ende 7 nenne ich feige oder folge von schlechtem Stil. Genauer kann Ende 4 als "beidseitiger Abbruch" und Ende 7 als "einseitiger Abbruch eingestuft werden. Die einzige Möglichkeit, welche ich hier nicht berücksichtige, ist ein beidseitiger Abbruch aufgrund von anderen Umständen (Grobes Beispiel: wenn man sich mit dem Lebenspartner nicht darauf einigen kann, ob Keira Knightley gut aussieht, lässt man das Thema lieber fallen, statt eine Trennung zu riskieren...)

Ein echter Kompromiss ist also nur eine von sieben möglichen Endsituationen einer Diskussion. Selbst wenn man Ende 4 als eine Form von Kompromiss ansieht und Ende 7 ausschließt, bleiben alternativen zum Kompromiss, welche erwähnenswert sind und das Eingangszitat zu einer Falschaussage machen.

für mich ist der Wahrheits- und Überzeugungsanspruch Ziel der Diskussion und Ende 1, 5 und 6 sind diejenigen, welche ich dem Kompromiss oft vorzeihe, da so die Diskussion, das Spiel, weitergeht.

Gute Nacht, ich schreibe bei Gelegenheit wieder.

2.1.15 01:12
 


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