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Kommunikationsebenen - eine Selbsttherapie

Ich bin mir noch nicht sicher, wie viel dieses Textes eine Selbsttherapie wird und lasse einfach meine Gedanken raus. Die kleinen Biester hämmern mir ordentlich gegen den Schädel; vielleicht werde ich sie so etwas los.

Ich hatte heute ein sehr interessantes Seminar über Kommunikationsprozesse, welches auf hohem Niveau nach handlungsorientierten Methoden konzipiert war. Im Klartext: Es wurde Kommunikationsgeschehen dadurch analysiert und verständlich gemacht, dass die faktisch statt findende Kommunikation als Beispiel verwendet wurde. Ein für den Dozenten sehr kompliziertes unterfangen und ich möchte meinen größten Respekt für das Gelingen dieser Methode aussprechen.

Viele Seminarteilnehmer fühlten sich in der angenehmen Atmosphäre wohl, teilten sich und ihre inneren Gedanken mit, genossen die ungewohnte Arbeitspraxis. Rückblickend muss ich gestehen, dass ich mich nicht gut fühlte. Die Situation war ungezwungen, alle waren sich einig, ein Miteinander wurde geschaffen. Nichts, dass mich störte, aber ich fühlte mich nicht wohl.

Kommunikation und Diskussion, das Spiel mit den verschiedenen Metaebenen und Bedeutungsinhalten von Worten und Satzgefügen ist für mich ein Spiel. Ein Spiel, dass von Zeitvertreib bis hin zum Ernst, wie ihn Sportler bei einem Finale beschreiben (was ich als nicht-Sportler nie ganz nachvollziehen konnte) beschreiben.

In dieser Gruppe war es anders. Es war sehr persönlich. Nah an den Geschichten und Gefühlen der Teilnehmer. Im Modell der Vier Ebenen von Aussagen (Schulz von Thun: Sachinhalt, Appell, Selbstoffenbarung & Beziehungsebene) lässt ein Großteil der Beiträge als Durchmischung von Sachinhalt mit Selbstoffenbarung zusammenfassen. Die erzeugt ein angenehmes Klima. Man fühlt sich dem anderen näher; gibt selbst mehr preis; schafft Vertrauen. Ideale Kommunikation und eine Grundlage für sehr gutes und produktives Zusammenarbeiten.

In mir wuchs ein Drang, der gegen diese Atmosphäre gerichtet war, auch wenn mir das zu diesem Zeitpunkt nur wenig bis überhaupt nicht bewusst war. Ich wollte provozieren, wollte wachrütteln. Einzelne Worte weckten Assoziationen welche ich mit einer verillusionierten Wirklichkeitswahrnehmung verband. Vermutlich war es Zufall. Wahrscheinlich verspürt fast niemand außer mir bei diese Worte (nur als Beispiel: richtiges, gerechtes Handeln) eine Spitze. Im Rückblick war mein Handeln nicht ideal.

Ich provozierte; ich griff die Grundüberzeugung jedes anwesenden an. Zu meiner Verteidigung: ich selbst sehe mich nicht als besser. Jeder meiner Pfeile kann gegen mich geschossen werden.

Viele reagierten wie ich es erwartet hätte. Zurückgehen, weg hören, mich übergehen. Einige dachten über meine Forderung nach (ich spare hier an Details, um nicht einen Roman zu füllen) und gingen auf meine Provokation ein. Andere, wenige, griffen mich an. Damit komme ich klar, doch der Charakter des Seminar verhinderte mein Spiel. ich konnte die Vertreter der Gegenposition nicht mit Rhetorik und geschickten Wortspielen verwirren, austricksen oder in eine Ecke drängen.

Mein scharf formulierter Monolog wurde auf seine Auswirkungen auf die Kommunikation untersucht und auseinander genommen. Ich stand allein, gegen die Gruppe. jeder kannte mich, meinen Namen, hat eine Meinung zu mir - nicht nur zu dem was ich gesagt hatte, sondern auch zu mir. Es ist nie ein schönes Gefühl, sich gegen eine Gruppe zu sehen, doch ich sah es als Gewinn an. Es ging um einen Inhalt, einen Gegenstand, etwas, über das gesprochen wurde. Es war weniger wichtig wer sprach, sonder was er (Generisches Maskulinum!!!) sagte. Ich konnte über die Sache diskutieren, auch wenn die Sache darin bestand, wie ich jeden Einzelnen angegriffen habe.

Die Dozentin lieferte einen Input welcher einer der Hauptgründe für diese Reflexion ist. Sie sagte, dass ich mich vor der Selbstoffenbarung scheue und mich mit extremen Mitteln in die Sachebene flüchte. Dabei sehe ich die Beziehungsebene nur als ein Mittel zum Zweck, nicht als wichtigen und zu respektierenden Bestandteil funktionierender Kommunikation. Sie sagte, dass mir die persönliche, emotionale Seite zu viel wurde. Sie hatte Recht.

Was mich so beschäftigt ist das Gefühl, dass in mein Innerstes geblickt wurde. Ich habe es provoziert. Ich habe mich mit meinem angreifenden Monolog selbst zu Zielscheibe gemacht. Doch ich hatte mit einem Konter gerechnet, den ich selbst ausgeführt hätte. Rhetorik und Gegenprovokation. Mit einem Mal ohne Verteidigung, ohne Geheimnisse, fast nackt dar zu stehen, sich mit der eigenen Schwäche (der Kommunikation auf der Selbstmitteilungsebene) konfrontiert zu sehen, war ein Hieb, den ich verdauen muss.

Die Reflexion ging weiter. Mir wurde Empathie abgesprochen und ich schlug nicht zurück. Untypisch, aber ich hatte zu viel zum Nachdenken.Immer wieder wurde betont, ich hätte bevor ich so scharfe Worte wählte einbeziehen sollen, wie diese auf andere Wirken können. Vielleicht weichere Worte wählen sollen, um nicht den Eindruck zu vermitteln, ich sehe mich selbst über den anderen.

Ich sehe mich nicht besser als andere. ich fühle mich niemandem überlegen. Zumindest niemandem, mit dem ich rede. wo ich so weit überlegen bin; der andere so wenig beisteuern kann, da treibe ich keine Kommunikation voran. Doch ich greife an. Ich provoziere. Ich gefährde Beziehungen ohne groß darüber nachzudenken, denn ich glaube, dass ein Diskurs mit klaren Positionen, die einander im wilden Tanz eine ungehörten Musik umkreisen, einen Wert hat. Und mit diesem Wert kann ich besser umgehen. Damit kann ich arbeiten. Dort kann ich meine Persönlichkeit wenn nötig heraus halten. Dort kann ich mein Spiel spielen und gegebenenfalls verlieren.

Es ist seltsam, aber ich verliere lieber auf dem Platz, den ich kenne, den ich einschätzen kann und dessen Grenzen und Grundregeln (so ungenau und flexibel sie oft auch sind) mir vertraut sind, als mich zu weit davon zu entfernen. Ich flüchte aus den meisten persönlichen Fragen und Gesprächen in die Philosophie, in Geschichten oder in eine aggressive Diskussion.

Um diese Form von Schreib-Selbst-Therapie abzuschließen, eine Schlussfrage (oder viele, ihr kennt mich): Ist das Schwäche? Bin ich feige? Sollte ich daran arbeiten - und wie? ich möchte mich nicht aufgeben und dieses Verhalten begründe ich vor mir selbst mit meinen innersten Charakterzügen... Ich habe das Gefühl, dass ich mit diesem Thema noch lange nicht durch bin, also vergesst, dass ich in diesen Absatz etwas abschließen wollte. ich beende es zugunsten von Schlaf - nicht mehr und nicht weniger.

15.11.14 00:01
 


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