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Ein Blick über die Brille

Der erste Eintrag und der Titel schreckt mich selbst ab. Ihr werdet merken, das des Titel wenig über den Inhalt aussagt. Gewöhnt euch dran. OK, jeder hat klein angefangen, aber wer lange klein bleibt, wird nie groß. Also hört mein erstes Werk:

Ich besuchte letzte Woche eine Podiumsdiskussion von DINO - der Deutschen Initiative für den Nahen Osten. Die Organisation ist dem ersten Eindruck nach nicht so lustig wie ihr Name vermuten lässt, aber ich werde sie im Hinterkopf behalten. Und das liegt nicht nur an dem netten Empfang inklusive vier (!) Weinsorten zur Auswahl. Ich bin kein Weintrinker und kann kaum die leckere Lidl-Plörre von einem guten Tropfen unterscheiden, aber allein vom Etikett her war das Zeug teuer. Kurz: wer teuren Wein aus- und somit verschenkt und mich (in Kapuzenpullie und Bandshirt) so selbstverständlich freundlich begrüßt weiß entweder wie man den Schein aufrecht erhält oder ist wirklich einer von den Guten. In beiden Fällen bin ich neugierig auf mehr. Hier ein Link für Interessierte.

Die Diskussion war interessant und etwas lehrreich, aber nicht mitreißend. Es ging um die Möglichkeit von Frieden und niemand hat eine Extremposition ("Es kann keinen Frieden geben, solange die USA..." ) vertreten, sonder alle waren bewusst politisch korrekt. Nicht schlecht, aber nicht was ich mir erhofft hatte.

Der Gedankenanstoß zu diesem Text (und letztlich der Grund, warum ich endlich mit einem Blog anfing) war ein Satz, den ich beim verlassen des Saals hörte. Ich zitiere aus dem Gedächtnis: "Ich fand es schade, dass niemand wirklich was zu Religion gesagt hat. Es kann keinen Frieden geben, solange der religiöse Mann nicht einsieht, dass der Glaube des Anderen so viel Wert ist wie der eigene." (Ich glaube, das mit dem Kursiven gefällt mir für Schlagwörter). Ich wollte meinen Bus erwischen, also sprach ich den sprechenden Rentner nicht an...leider wie ich jetzt denke.

Dieser Satz, ich, ein Kasten Bier und du, der du Deutsch sprichst und Spaß an einer Diskussion hast. Das sind die Grundlagen für einen Abend nach meinem Geschmack.

Aber gehen wir es langsam durch. Es stimmt, das Thema Religion wurde umschifft, da es allein mehr als eine Diskussionsrunde füllt (und füllen muss) und die Podiumsgäste Politiker und politische Journalisten waren, keine Theologen und Religionswissenschaftler, war das auch gut so. Allein der anwesende Philosophieprofessor wäre die für ein solches Thema optimal gewesen (Prof. M. Quante - der scheint was drauf zu haben). Doch dies stört mich nicht. Selektion ist nötig, sonst leidet der Streit (ich differenziere wenig zwischen Diskussion, Argumentation und Streit. Dazu ein andermal).

Der religiöse Mann meint in den Augen des sprechenden Rentners vermutlich einen Muslim, doch dies ist nicht entscheidend. Gemeint ist jemand, der aus seinen religiösen Überzeugungen heraus sein Leben gestaltet. Dazu später mehr.

Der Glaube des Anderen ist jede Überzeugung, welche sich in entscheidenden - genauer: in für die Lebensgestaltung und/oder persönliche Ethik wichtigen - Punkten von der des erstgenannten unterscheidet. Eine hübsche Definition finde ich. Nicht perfekt, aber eine gute Arbeitsgrundlage.

Entscheidend  soll sein, dass beiden Überzeugungen von den beteiligten, sich entgegenstehenden Parteien der gleiche Wert beigemessen werden soll.

Bis hier hin denke ich können alle sagen, dass sie mir (im Großen und Ganzen) zustimmen können. Jetzt gehts rund:

Nur ein wie selbstverständlich säkular und von "seiner" Religion distanzierter Mensch kann so etwas verlangen! (BÄM!)

Für die meisten von euch wird es normal (ich mag das Wort nicht, aber es passt) sein, Religion als etwas zu sehen, das nur den Einzelnen etwas angeht. Wenn du religiös sein willst, sei religiös, aber reib es nicht allen unter die Nase! Religion ist wie ein Penis - nicht schlimm einen zu haben, aber zeig ihn nicht ungefragt und nicht in der Öffentlichkeit! Friedliches Miteinander durch Verzicht auf das zur Schau stellen von allem, was Konflikte schüren könnte! (Ich kann mir die Arme aus Nonkonformisten hinter mir vorstellen)

Aber Religion ist immer mehr als etwas kleines, privates zwischen Gott und den Einzelnen. Religion betrifft - wenn sie ernst gemeint ist - das ganze Leben des religiösen Mannes (Wehe hier meckert wer! Ich werde nicht gendern!). Und ein unumgänglicher Aspekt des Glaubens ist, das man den richtigen und den einzig richtigen Glauben hat. Extreme Beispiele: "Die Kirche ist der einzige Weg zu ewigen Heil" ist ein Bekenntnis zu einer Religion/einer Kirche. "Ich glaube, das das was die Baptisten und ihre Vergebungslehre sagen der beste Weg für meinen Seelenfrieden ist, aber ich finde auch die Ansätze des Buddhismus und der Wiedergeburt wichtig, da man die Seele ja nicht messen kann..." ist entweder wischi-waschi ohne echtes Bekenntnis zu irgendwas oder eine exakte Abgrenzung des eigenen Glaubens. In letzterem Fall hat man eine eine Religion kreiert und muss diese rechtfertigen. In ersterem Fall ist man nicht religiös, sondern spirituell und ein Agnostiker, der auf die Frage nach Gott, Seele usw. keine Antwort weiß und sich in Synkretismus flüchtet. (falls ich gerade fachbegrifflich eskaliere, tut es mir Leid, aber dieser Punkt ist mir wichtig: Entweder man bekennt sich zu etwas und hält an diesem Bekenntnis fest, bis der eigene Glauben bis in die Grundfeste erschüttert wurde, oder man ist nicht religiös)

Der wirklich religiöse Mann kann also der Überzeugung des anderen nicht den gleichen Wert beimessen, weil er dann nicht mehr religiös wäre.

Einige mögen sagen: gut so; Überwindet die Religion durch Aufklärung. Dazu werde ich an andere Stelle was sagen (ich kündige echt viele Folgeartikel an), hier soll reichen: Das ist nicht der richtige Weg!

Doch um den Kreis zu schließen, komme ich zum Frieden zurück. Keine Religion rechtfertigt den Angriff auf die Persönlichkeitsrechte eines anderen Menschen! (Das war mir ne Unterstreichung wert) Wenn man die Grundsätze nach denen das Gegenüber lebt nicht nachvollziehen kann oder sogar ablehnt, muss man zivilisierte Wege aus diesem Dilemma bestreiten, nicht Schusswaffen benutzen. Jede Religion muss sich immer wieder den Anfragen anderer Religionen und (vielleicht noch wichtiger) der Philosophie stellen. Nur so können wir die Zukunft gemeinsam gestalten.

Das soll es für heute sein. Ich hoffe ihr habt was zu Nachdenken gefunden.

28.9.14 23:17
 


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