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Religiöse Freiheit in einer säkularen Gesellschaft

Guten Abend Nemo;

dieser Brief ist anders als die vorherigen, denn ich habe ihn nicht vorher durchdacht. Außerdem habe ich mich heute nicht über das Thema aufgeregt. Ich bin ruhiger als üblich, aber auch müder und weniger leidenschaftlich. Dennoch wird es Zeit, dass ich über ein für mich wichtiges Thema schreibe: religiöse Freiheit.

Zuerst möchte ich betonen, dass wir in einer säkularen Gesellschaft leben. Politik, Schul- bzw. Bildungs- und Rechtswesen sind von der (genauer von jeder) Religion getrennt. Keine religiöse Gruppe oder Ideologie darf auf ein staatliches System Einfluss nehmen. Soweit jedenfalls die Theorie.

Jeder in unserem schönen Land (Deutschland, nur um das klar zu stellen), kann eine Religion seiner Wahl ausüben. Christen, Juden, Muslime, Jedi, Hindus, Buddhisten, Pastafari, Atheisten ("Es gibt auf keinen Falle eine höhere Macht"; ja, für mich sind Atheisten eine religiöse Gruppe) und Agnostiker ("Ich weiß es nicht und glaube an nichts bestimmtes" sind gleich.

Jeder darf Symbole seiner Religion oder seines Fandom (der beste Begriff für was ich meine. Im Fall von Unverständnis bitte nachschlagen) tragen, ohne dafür belangt zu werden.

Ausnahmen für beides sind demokratiefeindliche oder verfassungswidrige Symbole, Ansichten usw. Der kleine Linksextreme in mir sträubt sich dagegen das einfach so hin zu nehmen und zu verteidigen, doch die Grundidee ist nicht schlecht. Allerdings ist die Möglichkeit zum Missbrauch und zum Unterdrücken legitimer Minderheitspositionen zu groß. Doch darüber rede ich heute nicht. Heute bin ich staatstreu. Heute akzeptiere ich alle Gesetze und Regeln und bin bereit sie zu verteidigen, bis sich der Rechtsstaat selbst verbesserte, sich seiner Fehler entledigte und seine Ungerechtigkeiten ausräumte. Doch dieser Wandel muss von innen kommen; Gewalt von außen, Gewalt gegen das System, ist nicht der Weg zum Wandel. (Nicht zuletzt, da es Gewalt gegen das System nicht gibt. Es sind immer Menschen, die das Opfer von Gewalt werden. Und kein Mensch repräsentiert ein System!)

Doch Handeln hat Konsequenzen. Jedes Handeln. Diese Position vertrete ich. Unabhängig von den Konsequenzen, die diese Haltung für mich hat.

Ein Beispiel: Wenn ich einen brennenden brennenden Totenkopf auf meinem Shirt trage, werde ich anders wahrgenommen als mit einem Baum und Vögeln als Motiv (wobei ich nicht urteilen möchte, welcher der Möglichkeiten modischer ist...). Anderes Beispiel: Ein Kreuz um den Hals ist ein Zeichen, sich zum Christentum, seinen Werten und Idealen zu bekennen. Ein Kopftuch oder die Kippa sind vergleichbare Symbole anderer Religionen.

Wenn ich weiß, dass in einem Stadtviertel fast alle Metal hören, wäre es eine Provokation auf der Straße laut Rapmusik zu spielen (auch wenn dies vermutlich keine nennenswerten Konsequenzen hätte). Wenn ich weiß, dass sich in einem Park viele Anhänger von S. Freuds Theorien aufhalten, wäre es eine Provokation, diese Theorien laut als Hirngespinste eines Heroinabhängigen zu bezeichnen.

Meine Beispiele bind akustische Provokationen und symbolische Kleidung. Jetzt zu dem, was diesen Brief anstieß. Ich laß in der Zeitung einen Leserbrief, dass es unsere (nicht weiter spezifiziert) Pflicht sei, dafür zu sorgen, dass Juden in Vierteln, die für ihre rechtsextreme Szene bekannt sind, die Kippa tragen können.

In einem so geprägten Gebiet ist das tragen der Kippa eine Provokation. Wer bewusst provoziert, muss sich den Konsequenzen stellen. Ohne Zweifel ist es nötig, gegen die rechte Szene vorzugehen (wie gesagt, ich stehe recht links), doch dieses Vorgehen braucht Zeit. Jahre, wenn nicht Jahrzehnte von gezieltem polizeiliches Vorgehen gegen die kriminellen Hintermänner und Informationen, welche es den Mitläufer ermöglicht, sich aus dem rechten Sumpf zu ziehen. Doch jede Form der stumpfen, undurchdachten und primitiven Provokation, welche nur zum Ziel hat, die eigenen Rechte und Möglichkeiten, die eigene Macht zu zeigen, wird das Gegenteil bewirken. Öl in das Feuer, das die rechten Kessel beheizt. Denn nichts anderes ist es, mit einer Kippa in ein solches Viertel zu gehen. Provokation.

Ich verteidige das Recht, sich zu kleiden wie man will, denken was man will und glauben was man will. Doch dieses Recht erlaubt es nicht, ohne Konsequenzen zu provozieren. Den Konsequenzen bleiben und müssen unabhängig von den Idealen, die wir anstreben und die wir als wertvoll erachten.

Gute Nacht; bis zum nächsten mal.

20.3.15 01:00


Aufregeung gegen Samenspenderauskunft!

Guten Abend Nemo;

ich schreibe dir aus einem einfachen, sehr eigennützigen Grund: um meinem Ärger Luft zu machen.

Ich habe vor einigen Tagen Nachrichten gesehen (ein Fehler; ist nicht gut für meinen Blutdruck) und ein Thema die Entscheidung eines verdammt hohen deutschen Gerichts, dass Menschen das Recht haben einzuklagen zu erfahren, wer ihr genetischer Vater ist, wenn sie durch Samenspende aus einer Datenbank gezeugt wurden. Was ein Thema, was ein Potential für Wutbürger.

Ich bin kein Experte und nicht betroffen, aber zuerst erkläre ich (dir und mir) dieses Recht und das Problem, wie ich es verstehe. Die Ausgangssituation sind drei Menschen. Auf der einen Seite steht ein Paar. Nach deutschem Gesetz muss es ein verheiratetes, heterosexuelles Paar sein (ich kommentiere das hier nicht, obwohl ich es nicht gut finde. Verdammt, das war ein Kommentar). Dieses Paar kann keine Kinder bekommen, da der Mann nicht zeugungsfähig ist (Ich umgehe damit die angrenzen Problemfelder der Eizellenspende und der Leihmutterschaft, da ich mich über diese nicht aufgeregt habe). Auf der anderen Seite steht ein Mann, der zeugungsfähig ist. Er entscheidet sich - aus einem Grund zwischen Hilfsbereitschaft gegenüber Fremden und Geldnot - für eine Samenspende bei einer Samenbank. Ihm ist klar, das er nicht erfahren wird, ob mit seinem Genmaterial Kinder gezeugt wurden oder wer diese Menschen sind.

An dieser Stelle möchte ich etwas festhalten: wir reden nicht von einer spontanen Entscheidung in einem schwachen Moment! Das Paar muss einen langen bürokratischen Prozess über sich ergehen lassen. Die Frau und angehende Mutter hat das Glück eine Reihe medizinischer Termine hinter sich bringen zu dürfen. Der Mann muss ein Formular ausfüllen - und jeder Erwachsene unserer Gesellschaft hat auf die eine oder andere Art gelernt nicht einfach alles zu unterschreiben.

Also: durch die bewusste Entscheidung eines erwachsenen Paares, wurde ein Kind gezeugt. Die Menschen (im nachfolgenden Eltern genannt) wissen, dass sie nicht wissen, wessen genetisches Material verwendet wurde. Die Eltern wissen, dass sie das Kind erziehen werden. Sie werden es sein, die dem Kind sagen, dass der Mann, den sie als ihren Vater kennen, nicht ihr Erzeuger ist. Sie entscheiden wann und wie sie diese Wahrheit offenbaren (eine Apokalypse für das Kind im eigentlichen Sinne). Es ist ihre Aufgabe, das Kind darauf vorzubereiten mit dieser Wahrheit zu leben. Sie dürfen entscheiden wann und wie die Offenbarung geschieht, deshalb sind sie auch für die Folgen verantwortlich!

Wer behauptet, ich würde übertreiben, verleugnet die Erziehungsaufgabe und -pflich aller Eltern!

Meine Logik ist einfach: Aktion und Reaktion. Wer für die Aktion verantwortlich ist, ist für alle absehbaren (und einige nicht zwingend absehbaren - fragt einen Juristen!) Folgen verantwortlich!

Der Samenspender entschied, nicht zu wissen, was mit seinem Genmaterial geschieht, nachdem er es der Samenbank übergab. Er entschied nicht erziehen zu können (und zu dürfen). Er konnte das Kind nicht vorbereiten. Er konnte nichts tun!

Jetzt kommt das neue Recht dazu. Das erwachse Kind kann einklagen zu erfahren, wer der Samenspender war. Ich habe zwei Fragen: Warum? Und was ist mit den Rechten des Samenspender?

Warum sollte das Kind (ich bleibe bei der Bezeichnung, auch wenn ich von einem Erwachsenen rede) dies erfahren wollen? Um zu erfahren woher es kommt und welche Rolle es in in der Welt einnimmt? Diese Fragen sind philosophisch und Jahrhunderte alt! Eine genetische Abhängigkeit zu einem bis dahin unbekannten Menschen hilft nicht bei der Beantwortung! Jemand, der so labil ist, seinen Selbstwert aus der Beziehung zu Fremden ziehen zu wollen, braucht einen guten Therapeuten, keine Auskunft von der Samenbank!

Und der Samenspender? plötzlich mit einem Fremden konfrontiert, der sagt: "Du bist mein Vater!". Tata, ein zweiter Kandidat für eine Therapie. Eine tolle Idee!

Ich setzte einen drauf! Bei Menschen, die ihren Selbstwert aus der genetischen Relation zu Fremden ziehen, haben die Eltern in der Erziehung versagt! Die Eltern versuchen nur die Verantwortung auf andere, auf einen Fremden abzuwälzen!

Steht zu euren Entscheidungen und akzeptiert die Folgen! Wenn die Folgen bedeuten, dass eure Kinder eine Frage stellen, auf die ihre NIE die Antwort wissen werden, dann (er)tragt die Konsequenzen! Belastet keine Fremden, belastet nicht die Gerichte, belastet nicht mich!

Es tut mir Leid für die Kinder, doch so wird das Spiel, das wir Leben nennen, gespielt. Manche Dinge - so wichtig sie uns erscheinen mögen - werden wir nie erfahren. Wenn ihr einen Schuldigen braucht, sucht bei denen, die sich für diese Situation entschieden haben. doch bedenkt, dass sie sich gleichzeitig auch entschieden, euch das Leben zu schenken und ein größeres Geschenk ist nicht denkbar.

Mehr möchte ich hierzu nicht sagen. Gute Nacht.

1.2.15 02:56


Diskussionen und Kompromisse

Nemo,

Mir kamen einige Gedanken zum Thema Kompromisse. Der Satz, der mir dazu in den Sinn kommt - ich bin mir nicht sicher, ob er jemals gesagt wurde oder nur in meinem Kopf entstand - ist wie ich finde recht provokant, doch ich glaube, dass viele ihn unterschreiben würden: "Ein Kompromiss ist das Ziel jeder Diskussion".

Bevor ich mich dazu äußere möchte ich auf das letzte Wort eingehen, da ich anschließend darauf aufbauen möchte und Missverständnisse vermeiden will. Eine Diskussion, eine Debatte, ein Streitgespräch, ein Zwiegespräch, ich unterscheide nicht zwischen diesen Begriffen, doch der erste ist jener, welchen ich gebrauchen möchte. Es geht um zwei Personen (oder Gruppen, doch wie bei vielem im Leben machen viele Personen die Situation für Beispiele zu kompliziert), welche zu einem Thema (oder mehreren - selbe Begründung des Ausschlusses) unterschiedliche Positionen vertreten (bzw. dies annehmen) und über dieses Thema miteinander sprechen. Weitere Einschränkungen halte ich für unnötig. Sie mögen an einander vorbei sprechen, einander nicht respektieren, die Argumente des jeweils anderen übergehen, Rhetorik anwenden, lügen oder all das nicht tun. Wichtig ist nur das sie miteinander reden. Und das sie hinter ihrer Position stehen.

Die letzte Regel ist meiner Ansicht eine der wichtigsten für fast alle Lebenssituationen. Was auch immer du tust, tu es aus Überzeugung, oder tu es nicht. "Tu es oder tu es nicht. Es gibt kein versuchen." (Yoda) Im Leben gibt es keinen Neustartknopf. Keinen zweiten Versuch. und ich breche gern jedes Handeln auf sprachliches herunter. Eine Diskussion macht nur Sinn, wenn jede Seite hinter ihrer Position steht.

Wenn dies gilt, lässt sich daraus ein Wahrheitsanspruch ableiten. Wenn ich hinter meiner Position stehe, stehe ich nicht hinter deiner; wenn ich auf meiner Seite stehe, stehe ich nicht auf deiner! (Bei Gruppen wird dies etwas aufgelöst, bzw. verkompliziert. Ich glaube nicht das es für ein Individuum möglich ist die Meinung eines anderen vollständig zu teilen. Deshalb beschreibe ich hier nur zwei Personen.) Diese Aussage steht unabhängig von Respekt gegenüber dem Gegner (dieser Begriff ist nicht aggressiv gemeint, ehr sportlich).

Wenn ich für meine Position Wahrheit beanspruche, sehe ich die Gegenposition (welche nicht zwingend ein Gegenteil in der Grundannahme darstellen muss: Detailfragen können auch sehr schön diskutiert werden) als falsch an.

Wenn ich deine Position als falsch ansehe, ist mein Ziel in der Diskussion ein einfaches: Meinen Gegner aufzuzeigen, dass er falsch liegt. Dies kann getan werden, um ihm die Möglichkeit zu geben, daraus zu lernen (sehr ehrbar), oder um über ihn zu triumphieren (nur sehr situationsbedingt ehrbar).

Ich habe also das Ziel meinen Gegner davon zu überzeugen, dass er falsch und ich richtig liege. Interessant ist dieses Spiel, da der Gegner das selbe versucht.

In vielen Regeln zu Diskussionen wird an dieser Stelle betont, dass dieses Überzeugen ohne Gewaltmittel geschehen muss. Ich nenne Beispiele: Drohungen, Lügen, lautes Sprechen bis Schreien, Einsatz der eigenen Autorität in jedem erdenklichen Sinne, Verweise auf die Vergangenheit (a la "ich hatte bisher immer Recht, du nie...". Ich sehe das anders. Nur körperliche Mittel sind sinnlos und tabu. Außerdem zeugen sie von Verzweiflung, verbaler Inkompetenz und der Schwäche der eigenen Position. Kurz: Kloppen ist schlechter Stil. Alles andere darf und kann eingesetzt werden. Wie Züge im Schachspiel können sie dem Gegner allerdings auch helfen (etwa, wenn dieser die verfolgte Strategie durchschaut).

Wir betrachten also zwei Menschen, die versuchen mit allen Mitteln, welche sie für ziemlich halten, den jeweils anderen davon zu überzeugen, dass sie (und unter den Beteiligten nur sie) die Wahrheit vertreten/dass er falsch liegt. Person A vertritt zu Beginn Position a, Person B vertritt Position b. (Etwas Symbolik muss sein). Kurz >Aa vs Bb<.

Es kann vorkommen, dass im Laufe der Diskussion einer feststellt, dass sein Gegner tatsächlich recht hat. A übernimmt also die Position b. Die Situation hat sich zu >Ab vs Bb< geändert. Damit kann die Diskussion beendet werden. [Ende 1, überzeugen] Es ist aber auch möglich, dass A weiter für die Position a argumentiert (viele Gründe sind hierfür denkbar; auch Diskussionen bei denen man nicht die eigene Position vertreten darf - etwa in der Schule - haben diese Ausgangslage). Wichtig dabei ist, dass A weiter das Ziel verfolgt B von der Wahrheit von a und der Falschheit von b zu überzeugen. Er muss hinter der Position stehen und den Wahrheitsanspruch aufrecht erhalten. gelingt dies, so entsteht die Situation >Ab vs Ba<. Die Positionen haben die Seiten gewechselt. [Ende 2, tauschen]

Im Verlauf der Diskussion kann es vorkommen, dass beide Seiten einsehen, dass ihre Position falsch ist. Etwa >A,B vs a,b<, doch da die Positionen a und b nicht mehr von einer Person vertreten werden, existieren sie nicht mehr. Jetzt ist es möglich, dass die Personen A und B gemeinsam eine Position c entwickeln, welche beide im folgenden vertreten. >Ac vs Bc< (das "vs" bleibt zur besseren Vergleichbarkeit bestehen) [Ende 3, echter Kompromiss] Problematisch hieran ist, dass ich es nicht für möglich halte, dass beide Personen eine deckungsgleiche neue Position c vertreten (oben schon erwähnt). Stattdessen danke ich, dass >Ad vs Be< entsteht, wobei d und e Variationen von c sind. Die Diskussion kann an dieser Stelle enden, wenn beide Seiten die Variation des anderen für akzeptabel halten [Ende 4, Variation des Neuen], oder sie beginnt mit leicht verändertem Thema von vorn. [Ende 5, Neubeginn]

 Alle diese Szenarien setzten voraus, dass die Diskussion zu ende geführt wird und nicht eine der Seiten das Thema ändert [Ende 6, Themenwechsel] oder die Diskussion verlässt, abbricht oder für aussichts- oder sinnlos erklärt . [Ende 7, Abbruch]

Ein geschickter Spieler wird, wenn er Ende 1 nahen sieht und Ende 2, 3, 4 und 5 als nicht erreichbar einstuft versuchen Ende 6 herbeizuführen. Ende 7 nenne ich feige oder folge von schlechtem Stil. Genauer kann Ende 4 als "beidseitiger Abbruch" und Ende 7 als "einseitiger Abbruch eingestuft werden. Die einzige Möglichkeit, welche ich hier nicht berücksichtige, ist ein beidseitiger Abbruch aufgrund von anderen Umständen (Grobes Beispiel: wenn man sich mit dem Lebenspartner nicht darauf einigen kann, ob Keira Knightley gut aussieht, lässt man das Thema lieber fallen, statt eine Trennung zu riskieren...)

Ein echter Kompromiss ist also nur eine von sieben möglichen Endsituationen einer Diskussion. Selbst wenn man Ende 4 als eine Form von Kompromiss ansieht und Ende 7 ausschließt, bleiben alternativen zum Kompromiss, welche erwähnenswert sind und das Eingangszitat zu einer Falschaussage machen.

für mich ist der Wahrheits- und Überzeugungsanspruch Ziel der Diskussion und Ende 1, 5 und 6 sind diejenigen, welche ich dem Kompromiss oft vorzeihe, da so die Diskussion, das Spiel, weitergeht.

Gute Nacht, ich schreibe bei Gelegenheit wieder.

2.1.15 01:12


Kommunikationsebenen - eine Selbsttherapie

Ich bin mir noch nicht sicher, wie viel dieses Textes eine Selbsttherapie wird und lasse einfach meine Gedanken raus. Die kleinen Biester hämmern mir ordentlich gegen den Schädel; vielleicht werde ich sie so etwas los.

Ich hatte heute ein sehr interessantes Seminar über Kommunikationsprozesse, welches auf hohem Niveau nach handlungsorientierten Methoden konzipiert war. Im Klartext: Es wurde Kommunikationsgeschehen dadurch analysiert und verständlich gemacht, dass die faktisch statt findende Kommunikation als Beispiel verwendet wurde. Ein für den Dozenten sehr kompliziertes unterfangen und ich möchte meinen größten Respekt für das Gelingen dieser Methode aussprechen.

Viele Seminarteilnehmer fühlten sich in der angenehmen Atmosphäre wohl, teilten sich und ihre inneren Gedanken mit, genossen die ungewohnte Arbeitspraxis. Rückblickend muss ich gestehen, dass ich mich nicht gut fühlte. Die Situation war ungezwungen, alle waren sich einig, ein Miteinander wurde geschaffen. Nichts, dass mich störte, aber ich fühlte mich nicht wohl.

Kommunikation und Diskussion, das Spiel mit den verschiedenen Metaebenen und Bedeutungsinhalten von Worten und Satzgefügen ist für mich ein Spiel. Ein Spiel, dass von Zeitvertreib bis hin zum Ernst, wie ihn Sportler bei einem Finale beschreiben (was ich als nicht-Sportler nie ganz nachvollziehen konnte) beschreiben.

In dieser Gruppe war es anders. Es war sehr persönlich. Nah an den Geschichten und Gefühlen der Teilnehmer. Im Modell der Vier Ebenen von Aussagen (Schulz von Thun: Sachinhalt, Appell, Selbstoffenbarung & Beziehungsebene) lässt ein Großteil der Beiträge als Durchmischung von Sachinhalt mit Selbstoffenbarung zusammenfassen. Die erzeugt ein angenehmes Klima. Man fühlt sich dem anderen näher; gibt selbst mehr preis; schafft Vertrauen. Ideale Kommunikation und eine Grundlage für sehr gutes und produktives Zusammenarbeiten.

In mir wuchs ein Drang, der gegen diese Atmosphäre gerichtet war, auch wenn mir das zu diesem Zeitpunkt nur wenig bis überhaupt nicht bewusst war. Ich wollte provozieren, wollte wachrütteln. Einzelne Worte weckten Assoziationen welche ich mit einer verillusionierten Wirklichkeitswahrnehmung verband. Vermutlich war es Zufall. Wahrscheinlich verspürt fast niemand außer mir bei diese Worte (nur als Beispiel: richtiges, gerechtes Handeln) eine Spitze. Im Rückblick war mein Handeln nicht ideal.

Ich provozierte; ich griff die Grundüberzeugung jedes anwesenden an. Zu meiner Verteidigung: ich selbst sehe mich nicht als besser. Jeder meiner Pfeile kann gegen mich geschossen werden.

Viele reagierten wie ich es erwartet hätte. Zurückgehen, weg hören, mich übergehen. Einige dachten über meine Forderung nach (ich spare hier an Details, um nicht einen Roman zu füllen) und gingen auf meine Provokation ein. Andere, wenige, griffen mich an. Damit komme ich klar, doch der Charakter des Seminar verhinderte mein Spiel. ich konnte die Vertreter der Gegenposition nicht mit Rhetorik und geschickten Wortspielen verwirren, austricksen oder in eine Ecke drängen.

Mein scharf formulierter Monolog wurde auf seine Auswirkungen auf die Kommunikation untersucht und auseinander genommen. Ich stand allein, gegen die Gruppe. jeder kannte mich, meinen Namen, hat eine Meinung zu mir - nicht nur zu dem was ich gesagt hatte, sondern auch zu mir. Es ist nie ein schönes Gefühl, sich gegen eine Gruppe zu sehen, doch ich sah es als Gewinn an. Es ging um einen Inhalt, einen Gegenstand, etwas, über das gesprochen wurde. Es war weniger wichtig wer sprach, sonder was er (Generisches Maskulinum!!!) sagte. Ich konnte über die Sache diskutieren, auch wenn die Sache darin bestand, wie ich jeden Einzelnen angegriffen habe.

Die Dozentin lieferte einen Input welcher einer der Hauptgründe für diese Reflexion ist. Sie sagte, dass ich mich vor der Selbstoffenbarung scheue und mich mit extremen Mitteln in die Sachebene flüchte. Dabei sehe ich die Beziehungsebene nur als ein Mittel zum Zweck, nicht als wichtigen und zu respektierenden Bestandteil funktionierender Kommunikation. Sie sagte, dass mir die persönliche, emotionale Seite zu viel wurde. Sie hatte Recht.

Was mich so beschäftigt ist das Gefühl, dass in mein Innerstes geblickt wurde. Ich habe es provoziert. Ich habe mich mit meinem angreifenden Monolog selbst zu Zielscheibe gemacht. Doch ich hatte mit einem Konter gerechnet, den ich selbst ausgeführt hätte. Rhetorik und Gegenprovokation. Mit einem Mal ohne Verteidigung, ohne Geheimnisse, fast nackt dar zu stehen, sich mit der eigenen Schwäche (der Kommunikation auf der Selbstmitteilungsebene) konfrontiert zu sehen, war ein Hieb, den ich verdauen muss.

Die Reflexion ging weiter. Mir wurde Empathie abgesprochen und ich schlug nicht zurück. Untypisch, aber ich hatte zu viel zum Nachdenken.Immer wieder wurde betont, ich hätte bevor ich so scharfe Worte wählte einbeziehen sollen, wie diese auf andere Wirken können. Vielleicht weichere Worte wählen sollen, um nicht den Eindruck zu vermitteln, ich sehe mich selbst über den anderen.

Ich sehe mich nicht besser als andere. ich fühle mich niemandem überlegen. Zumindest niemandem, mit dem ich rede. wo ich so weit überlegen bin; der andere so wenig beisteuern kann, da treibe ich keine Kommunikation voran. Doch ich greife an. Ich provoziere. Ich gefährde Beziehungen ohne groß darüber nachzudenken, denn ich glaube, dass ein Diskurs mit klaren Positionen, die einander im wilden Tanz eine ungehörten Musik umkreisen, einen Wert hat. Und mit diesem Wert kann ich besser umgehen. Damit kann ich arbeiten. Dort kann ich meine Persönlichkeit wenn nötig heraus halten. Dort kann ich mein Spiel spielen und gegebenenfalls verlieren.

Es ist seltsam, aber ich verliere lieber auf dem Platz, den ich kenne, den ich einschätzen kann und dessen Grenzen und Grundregeln (so ungenau und flexibel sie oft auch sind) mir vertraut sind, als mich zu weit davon zu entfernen. Ich flüchte aus den meisten persönlichen Fragen und Gesprächen in die Philosophie, in Geschichten oder in eine aggressive Diskussion.

Um diese Form von Schreib-Selbst-Therapie abzuschließen, eine Schlussfrage (oder viele, ihr kennt mich): Ist das Schwäche? Bin ich feige? Sollte ich daran arbeiten - und wie? ich möchte mich nicht aufgeben und dieses Verhalten begründe ich vor mir selbst mit meinen innersten Charakterzügen... Ich habe das Gefühl, dass ich mit diesem Thema noch lange nicht durch bin, also vergesst, dass ich in diesen Absatz etwas abschließen wollte. ich beende es zugunsten von Schlaf - nicht mehr und nicht weniger.

15.11.14 00:01


Gerner-Wahn

Professor_in, BildhauerIn, Studierende

Jeder von uns hat ihn schon erlebt: den Gender-Wahn.

Denkt nur an die albernden Schreibweisen, die im Auge brennen - ja, ich meine Großbuchstaben mitten im Wort oder Unterstrichen. Ich bin nicht der Beste, wenn es um Rechtschreibung geht und habe nichts gegen etwas gedehnte Grammatik, aber das sieht aus, als hätte ein Zweitklässler die Sprache überarbeitet.

Ein Sprachpurist bin ich nicht; Sprache muss sich entwickeln und der Gesellschaft der Zeit anpassen. Doch die Sprache mit der Brechstange den Vorstellungen Einzelner Extremisten anzupassen, die der Meinung sind, eine veränderte Anrede in offiziellen Schreiben wäre ein wichtiger Schritt auf dem Weg der Gleichberechtigung, ist lachhaft.

Gleichberechtigung ist nötig, hat aber Grenzen. Und allen eine verdrehte und dem Sprachgefühl entgegenstehende Ausdrucksweise aufzuzwingen, bringt niemanden zur Ruflektion des eigenen Handelns (was wirklich und unbestritten zu Gerechtigkeit und Gleichbehandlung aller Menschen führt), sonder erzeugt selbst bei Menschen wie mir - die sich selbst als aufgeklärt, vernunftbegabt und selbstreflektierend empfinden - ein Bedürfnis nach Rebellion aus, dass ich als Antifeminismus bezeichnen möchte.

Dieses Wort richtet sich gegen die Nörgeler, welche unter der Maske des Feminismus nicht für die gerechte Behandlung eines Menschen nach seinen Fähigkeiten und Potentialen eintreten, sondern bestimmten Menschen (sic Frauen) einen Vorteil zusprechen wollen. Begründet wird dies von wenigen mit einem Ausgleich der vergangenen Unterdrückung. Falls jemand von euch auch nur eine Spur Sinn in diesem Argument findet, so bitte ich diesen es mir zu erklären.

Eine gesunde Einstellung zur Geschlechter - oder besser: Genderfrage (definiert euer Geschlecht wie ihr wollt. Ich sehe bei 2 biologischen Geschlechtern nur 6 mögliche Sexualitäten [mag Männer; mag Frauen; mag beides; mag beides, bevorzugt aber Männer; mag beides, bevorzugt aber Frauen; mag nix], aber ich will euch nicht in Schubladen zwingen. Es gibt bestimmt dutzende Abstufungen) zeigte eine der attraktivsten (heiß greift zu kurz, weil sie meinen sophiaphielen Geschmack auch anspricht- ich steh auf Intelligenz, egal mit welchen Schwerpunkt, auch wenn Philosophie einen Vorteil hat) Frauen dieses Planeten, Emma Watson. Wenn ihr ihre Rede noch nicht kennt, klickt hier.

Nicht selten wird ein Mittelweg gewählt: Geschlechtslosigkeit. Studierende ist mein Lieblingsbeispiel. Kein Geschlecht um auch der Gefahr zu entgehen, das eine vor dem anderen zu nennen, was eine Wertung implizieren könnte. Das ist elegant, wenn auch feige. Ich sehe diesen Weg - obgleich er genial einfach die Probleme löst - etwas kritisch, denn er macht alle gleich; auf radikale Art werden wir eines weiteren Charaktermerkmals beraubt. Dem System ist egal, welche Fortpflanzungsorgane wir haben, solange wir uns an die Regeln halten und nicht aus der Reihe tanzen. Aber ich drifte ab. Für Anarchie und Systemkritik soll ein anderes Mal Zeit gefunden werden, hier geht es um etwas genauso wichtiges.

In den meisten Fällen geht es um Anreden oder Titel. Bei ersteren ist es eine Formsache, ob Männer oder Frauen zu erst genannt werden, darüber sollte sich niemand aufregen. Bei letzteren steht meines Erachtens nach die Leistung im Vordergrund. Warum nicht Frau Professor Müller? Niemand will sie ihrer Weiblichkeit berauben, aber das Wort hat sich mit maskulinem Genus entwickelt. Es steht für eine der höchsten Qualifikationen, die unsere Gesellschaft kennt. Wieso sehen wir es nicht als das an, was es ist: ein Titel, eine Auszeichnung‽ Wieso sehen wir in dieser eigentlich respektvollen Anrede eine Form von Diskriminierung‽

Mir wurde entgegengehalten, dass aus dem selben Grund Professorin als allgemeine Bezeichnung für alle genutzt werden könnte, doch dies ist gegen das über Jahrhunderte gewachsene Sprachgefühl, welches ich schon zu Beginn anführte. ich denke ich beende meine Ausführungen, denn ich habe für genug Denk- und Diskussionsstoff gesorgt.

Ein Appell zum Ende: Seht nicht in jeder Formulierung eine Provokation, sondern nehmt euch die Zeit, die Meinung des anderen zu verstehen. und wenn ihr provozieren wollt (wie ich, wenn ich mich gegen jede Form des sprachlichen Genderns wehre), dann seit euch bewusst, dass nicht alle euch verstehen werden. Nehmt es ihnen nicht übel; sie haben nicht gelernt zu denken.

19.10.14 23:58


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